Wenn Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, rechne ich gerne über diese ab und stelle auch entsprechende Deckungsanfragen, sofern der Schriftverkehr im normalen Rahmen bleibt. Leider gibt es einige wenige Versicherer, die eine Kostenzusage offenbar als Ausnahmefall ansehen und immer wieder neue Gründe anführen, warum sie nicht eintreten wollen. Zum Glück ist dies nur selten.

Freie Anwaltswahl

Viele Rechtsschutzversicherer unterhalten mittlerweile „Hotlines“, die einen Anwalt empfehlen. Dabei sollten Sie wissen, dass die Rechtsschutzversicherer nicht immer Fachanwälte empfehlen, sondern vielfach Kollegen, mit denen die Versicherung ein Gebührenabkommen abgeschlossen hat, welches deutlich unter den gesetzlichen Gebühren liegt. Mit anderen Worten: Die Empfehlung beruht nicht auf Erwägungen bezüglich der Qualifikation, sondern aus wirtschaftlichen Motiven! Sie sollten deshalb überlegen, ob Sie sich das Recht der freien Anwaltswahl nehmen lassen. Sie sind auf diese Empfehlungen nicht beschränkt, sondern können sich einen (Fach-)Anwalt Ihrer Wahl aussuchen.

Wichtig: Als Versicherungsnehmer haben Sie das Recht der freien Anwaltswahl! Sie sind nicht verpflichtet, vorher beim Rechtsschutzversicherer anzurufen oder einen vom Versicherer benannten oder empfohlenen Anwalt zu nehmen.

Die Deckungszusage

Im Beratungsgespräch kann ich Ihnen zumeist eine Einschätzung geben, ob Ihre Rechtsschutzversicherung die Kosten übernehmen wird. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Vertragsbedingungen, die nicht nur von Versicherung zu Versicherung verschieden sind, sondern sich zudem im Jahre der Jahre und Jahrzehnte immer wieder ändern. Wenn Sie sicher gehen wollen, können Sie vorab bei Ihrer Rechtsschutzversicherung erfragen, ob in Ihrem Fall eine Vertretung oder zumindest eine Erstberatung bezahlt wird.

Die Selbstbeteiligung

Haben Sie allerdings – wie dies in den meisten aktuellen Verträgen der Fall ist – eine Selbstbeteiligung vereinbart, sollten Sie damit vielleicht abwarten. Liegt meine Vergütung nämlich unterhalb des Selbstbehalts, ist es womöglich sinnvoller, wenn ich mit Ihnen direkt abrechne. Denn dann müssten Sie diesen anfallenden Betrag eh selbst zahlen. Es wäre dann unsinnig, durch eine Anfrage bei Ihrem Rechtsschutzversicherer Ihren Vertrag unnötig zu belasten. Wenn ich deshalb ausdrücklich nach Selbstbehalten frage, geschieht dies letztlich in Ihrem eigenen Interesse.

Zum Schluss: Auch wenn Sie die Rechtsschutzversicherung vor Jahren oder gar Jahrzehnten in der Hoffnung abgeschlossen haben, dass Sie nie mit Anwaltskosten belastet werden, gibt es nicht wenige Gründe, weshalb die Versicherung nicht eintrittspflichtig sein könnte. Eine erste Einschätzung, ob Ihr Versicherer den Fall übernehmen muss, kann ich meistens schon im Beratungsgespräch geben. Auch wenn ich mich immer wieder bemühe, den Versicherer – notfalls aus Kulanz – zur Zahlung zu bewegen, gilt letztlich jedoch, dass Sie als mein Auftraggeber für die Kosten gerade stehen müssen.

 

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